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Nachwuchs fürs Musiktheater

Nachwuchs fürs Musiktheater

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Donnerstag 16. Oktober 2014

CAMERATA NUOVA Die Kretschmar-Stiftung soll Europäischen Opernpreis langfristig sichern

Von Volker Milch
WIESBADEN. „Das Leben ist endlich", weiß der 1944 geborene Wiesbadener Opernfreund Armin Kretschmar. In diesem Bewusstsein hat er gemeinsam mit seiner Frau Maria eine Stiftung gegründet, die „der Pflege und Förderung des Musiktheaters" dienen und die Zukunft des von ihm initiierten Europäischen Opernregie-Preises (EOP) sichern soll: „Wir möchten, dass diese Initiative dauerhaft erhalten bleibt", sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Ex-Geschäftsführer eines Fachverlags im Gespräch mit dieser Zeitung.

Im Jahr 2000 hatte sich Kretschmar mit anderen Wiesbadener Opernfreunden zusammengetan und den Verein „Camerata Nuova" gegründet. Der Name soll an die legendäre Florentiner „Camerata", die für die Geschichte der Gattung von fundamentaler Bedeutung war, erinnern.

Die „Camerata Nuova" nun hat gerade den 8. Europäischen Opernregiepreis ausgeschrieben, und Kretschmar ist sehr erfreut über das rege Interesse der Bewerber. Alle zwei Jahre wird der EOP ausgeschrieben. Die Aufgaben des Wettbewerbs stellt immer wieder ein anderes Opernhaus.

Diesmal ist die Oper Köln an der Reihe: Gesucht werden Regie- und Ausstattungskonzept zu Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose". Das preisgekrönte Konzept wird dann in der Spielzeit 2016/17 an der Oper Köln aufgeführt. Der EOP ist mit einem Preisgeld von 30 000 Euro ausgestattet.
Nachdem die Kretschmars den Preis anfangs alleine finanziert haben, konnten sie im Lauf der Jahre potente Mitstreiter wie die Deutsche-Bank-Stiftung, die Helaba oder Lotto Hessen gewinnen. Die neue Stiftung soll einspringen, „wenn alle Stricke reißen" und verfügt zunächst über ein Vermögen von 250 000 Euro. „Wir wollen alle zwei Jahre 15 000 Euro haben", sagt Kretschmar zu seiner Rendite-Erwartung. Mittel aus der Stiftung würden frühestens 2019 benötigt, bis dahin sei die Finanzierung des Preises ohnehin gesichert.

Der Regiepreis ist nicht das einzige Anliegen der Kretschmars. Sie machen sich auch Gedanken über den Nachwuchs vor der Bühne, im Publikum. Ein Projekt soll jetzt starten, ausgehend von der Frage, „wie können wir mit sozialen Netzwerken junge Leute erreichen, die sich normalerweise nicht für die Oper interessieren?" Das junge Publikum soll jedenfalls „auf vielfältige Weise" zur Oper „hingeführt" werden.

„Lücke" zwischen 18 und 28

Die „Problemgruppe" sieht Kretschmar bei Erwachsenen zwischen 18 und 28 Jahren. In diesem Alter sei man meist auf Ausbildung, Studium, erste Berufserfahrungen und Beziehungen konzentriert: „Diese Gruppe steht für die größte Lücke im Bereich der Theaterbesucher." Für den Opernfreund erfreuliche Nachrichten kommen indes von der „Opera Europa", einem Zusammenschluss von 153 Opernhäusern. Als einziges „Nicht-Opernhaus" wurde die „Camerata Nuova" jetzt in diesen Kreis aufgenommen. Kretschmar wertet das mit seinen Mitstreitern als „große Ehre und als Anerkennung unseres nun 15-jährigen Engagements um die Förderung und Belebung des Musiktheaters".

Bewerbungsschluss für den Europäischen Opern-Regiepreis ist der 30. November 2014.

www.camerata-nuova.com

Die Wiedergabe dieses Artikels erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG